Evang. Kirche - Unter-Widdersheim - Hessen

Wohnort im Grünen - naturnah und offen für Mensch und Tier -
Unter-Widdersheim
Update 19.06.2024
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Evang. Kirche

Evangelische Kirchengemeinde

Die evangelische Kirchengemeinden Ober-Widdersheim mit Unter-Widdersheim und Bordorf mit Harb sind ein Kirchspiel.
In Unter-Widdersheim findet ein mal im Monat ein Gottesdienst im Dorfgemeinschaftshaus statt.

Pfarrer
Michael Clement
Wydratstraße 31
63667 Nidda

Telefon: 06043 2267
Telefax: 06043 982423
eMail: Kirchengemeinde.Ober-Widdersheim[ät]ekhn.de
Volkstrauertag im Jahre 2023
– Gedanken und lesenswerte Worte
 
von Pfarrer Michael Clement (Auszug aus der Predigt vom 19.11.2023)

Liebe Schwestern und Brüder! Die Waffen schweigen nicht mehr in Europa. Der Ukrainekrieg beschäftigt uns immer noch. Die Bundeswehr rüstet auf. „Wir müssen kriegsfähig werden.“, stand in der Zeitung. Terror in Israel, Krieg im Gazastreifen. Die Hisbollah droht. Überall scheinen die radikalen Kräfte zu erstarken. Menschen fliehen aus Hunger, Elend und Krieg. Menschen werden vertrieben, Flüchtlinge in vielen Ländern, die keiner haben will. Doch irgendwo muss man hin, wenn die Freiheit bedroht, die Häuser zerstört, die Heimat verwüstet ist. Wohin soll man gehen, wenn man jederzeit damit rechnen musste, verhaftet und getötet zu werden? Viele kommen zu uns, aber auch bei uns erstarken die Radikalen. Wieder dröhnen Parolen durch das Land, die wir längst vergessen glaubten. Mit ihnen fangen sie die Menschen, deren Ängste sie schüren. Sie bieten keine wirklichen Lösungen für die Probleme unserer Zeit. Die Zusammenhänge sind komplex. Es rumort überall auf der Welt. Viele Konflikte werden von den aktuellen Ereignissen überdeckt. Wir nehmen sie nur wahr, wenn die Menschen an unsere Türe klopfen. Hinter jedem Menschen steht ein Schicksal, eine persönliche Geschichte, Leid, Elend, Not und viele Ängste. Aber selbst hier in Deutschland sind diese nicht sicher, weil unsere Kapazitäten nicht reichen, unsere Bürokratie zu langsam ist, sie unter Umständen wieder zurückschickt werden. Oder die Schergen der Vergangenheit sie selbst hier aufspüren und bedrohen. Wir leben in einer schwierigen Zeit. Einer Zeit, in der Menschenleben bedroht werden, auch in unserem Land. Durch Hetze und Hass entstehen gefährliche Parolen. Konflikte werden brutal gelöst. Das vermeintliche Recht wird durch Gewalt eingefordert. Polizei und Rettungskräfte werden angegriffen. Und selbst Kinder gehen mit Messern aufeinander los oder schießen sich in der Schule nieder. Wohin steuern wir in unserem Land? Es macht mir Angst, wenn auch in der Politik kompromisslos gestritten wird. Es macht mir Angst, wenn Hass und Hetze, das Reden bestimmt. Es macht mir Angst, wenn Menschen einander nicht mehr zuhören. Wenn unterschiedliche Meinungen nicht mehr neben einander stehen können, sondern die jeweils andere Meinung diffamiert wird. Demokratie lebt vom Kompromiss und nicht durch das absolute Setzen von Meinungen. Wenn radikale Minderheiten Parlamente blockieren, wie in Amerika, dann ist die Demokratie bedroht. Erst recht, wenn eine Seite meint, durch Gewalt ihr Ziel zu erreichen. Überall, in allen Ländern, Religionen und Weltanschauungen, wo radikale Kräfte aufwärts streben, ist die Freiheit bedroht. Wir sind auf dem falschen Weg, wenn wir wieder auf die Parolen hören. Gewalt war nie eine gute Lösung, Hass nie eine Quelle der Freiheit, Hetze führte nie zum Frieden. Das Schweigen der Mehrheit, die das alles nicht will und in ihren Ängsten sich verkriecht, macht es nicht besser. Dass Menschen aus Protest gar nicht mehr wählen, macht mir Angst. Noch mehr macht mir Angst, dass viele die Radikalen wählen, die Hass und Hetze schüren. Frieden und Freiheit sind bedroht, wo jeder nur sich sieht, seine Sicht und andere Meinungen und Lebensansätze nicht gelten lässt. Diffamierung und Ausgrenzung bringen uns nicht weiter. Wenn wir gegeneinander denken und gegeneinander handeln, wird uns das Leben nicht gelingen. Das Recht auf Leben gilt doch allen gleich. Sollten wir nicht für das Leben eintreten? Für das Füreinander, für das Miteinander, für liebende Rücksicht und verstehende Begleitung, für Austausch und Kompromiss? Für die Freiheit des Andersdenkenden setzen wir uns ein. Unsere Freiheit hat ihre Grenze in der Freiheit des anderen. Wo wir allerdings, die Freiheit des anderen nicht respektieren, wird auch unsere Freiheit beschränkt. Wo gehen wir hin in dieser Welt, wohin in unserem Land? Mehr denn je müssen wir aus der Geschichte lernen. Mehr denn je zum Frieden mahnen, mehr denn je für die Liebe eintreten, die die Not des anderen sieht und nicht nur den eigenen Vorteil. Was ihr getan habt, einem meiner geringsten meiner Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan, sagt Jesus im Gleichnis vom Weltgericht. Gott wird uns fragen: Hast du auf meiner Stimme gehört und dem Mitmenschen gedient? Hast du den Elenden gerettet oder im Elend gelassen? Was hast du mir getan? Oder hast du es nicht getan? Gott fragt uns. Was werden wir antworten?
Liebe Schwestern und Brüder, ich bin ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich immer im Sinne Jesus gehandelt habe. Ich hätte sicher barmherziger, liebevoller, rücksichtsvoller sein müssen. Ich kann nicht vor ihn treten und sagen, ich habe alles richtig gemacht. Wer von uns könnte das? Das Elend schreit uns aus den Medien direkt entgegen. Wir müssen uns vor Gott verantworten. Werke der Barmherzigkeit sind von uns gefordert. Hunger und Durst stillen, Gastfreundschaft üben, Kleidung geben, Gefängnisse besuchen, Kranke besuchen. Sie stehen exemplarisch für die Zuwendung der Menschen zum anderen Menschen. Wir sollen die Not der anderen sehen und zum Nächsten werden. Da sein für andere. Rücksicht, Mitgefühl, Verantwortung auch für fremdes Leben, das ist unsere Aufgabe in dieser Welt. Gott stellt uns in eine Gemeinschaft mit Menschen hinein. In dieser Gemeinschaft gilt es zu leben und miteinander das Leben zu bestehen. Unsere immer egoistischer und rücksichtsloser werdende Gesellschaft ist mit diesem Ideal nicht vereinbar. Die Diskussionen um die Höhe der Zuwendung für ärmere Menschen sind teilweise menschenunwürdig. Das Sparen an den Ärmsten der Armen wird begleitet von Neid auf die angeblich reichen Empfänger. Keiner sollte Arme gegeneinander ausspielen. Aber jeder denkt nur noch an sich. Jedem ist das seine zu wenig. Manchem gehen die Sparvorschläge nicht weit genug. Dagegen stehen die enormen Summen, die in andere Bereiche gesteckt werden. Geld ist da. Aber nicht für die, die es brauchen. Sind unsere Prioritäten falsch gesetzt? Am unteren Ende wird gespart. Es passt nicht mehr zueinander. Wir werden am Ende jeder für sich Rechenschaft geben müssen, über das, was wir getan bzw. nicht getan haben. Und oft genug wird es heißen: „Du hast nicht! Du hast nicht! Nein, auch da hast du versagt.“ „Aber unsere Politiker!“ höre ich manchen sagen. „Und die allgemeine Situation.“ „Wir konnten nicht anders.“ Wirklich? Ist es wirklich so, dass wir nicht anders können? Oder drücken wir uns vor der Verantwortung vor Gott und den Menschen? Jeder Einzelne wird gefragt werden. Was hast du getan? Hast du für andere gelebt? Oder nur auf dich geschaut? Wir haben keinen Freibrief zu tun, was uns gefällt. Christus wird Rechenschaft fordern. Wir haben die Verantwortung für die Armen, die Kranken, die Einsamen, die Geschundenen. Wir haben die Verantwortung zum Frieden. Kein Mensch, keine Gruppe von Menschen darf über anderen stehen und sich und ihre Sicht der Dinge absolut setzen. Keiner darf eine ganze Gruppe von Menschen über einen „Kamm scheren“ und durch Vorurteile diskriminieren. Wir haben die Verantwortung für unsere Kinder, dass sie lernen, mit anderen und für andere zu wirken, miteinander die Welt zu gestalten, zu lernen, Frieden zu üben, Rücksicht zu nehmen, Mitgefühl zu zeigen.
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